Olympiastadion, 42.902 Zuschauer
Ein Wochenende mit drei Spielen (zwei davon in der Regionalliga Nordost) hätte es eigentlich werden sollen, doch die Berliner Eiseskälte ließ das nicht zu. Alle Matches unterhalb der zweiten Liga wurden abgesagt. Daher ging es für mich am Sonntag dann doch noch einmal in das Berliner Olympiastadion, in dem eine ganze Fanszene um ihren Präsidenten trauerte.
Sonderlich wirtlich war es tatsächlich nicht an den drei Tagen in der deutschen Hauptstadt, auch wenn ich eine Generalabsage der Spiele weiterhin für sehr übertrieben halte. Bei durchaus winterlichen Temperaturen mit durchgängiger Schneedecke unternahm ich nur kleinere Streifzüge um das Rote Rathaus, Alexanderplatz und Hackescher Markt. Erst am Samstag wagte ich mich dann sogar raus nach Berlin-Marzahn, um durch die „Gärten der Welt“ zu streunern. Freie bzw. blühende Vegetation gab es allerdings nur im Tropenhaus zu sehen.








Der Frühjahrsauftakt in die zweite Liga steht für Hertha BSC ganz im Zeichen des Gedenkens an den in dieser Woche völlig überraschend verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein. Der 43-Jährige war einst Vorsänger der blau-weißen Kurve und erst vor zwei Jahren ins höchste Amt des Vereins gewählt worden. Welch großen Respekt er sich innerhalb kurzer Zeit erarbeitete, zeigt dabei nicht nur die vereinsübergreifende Anteilnahme der letzten Tage, sondern auch die Trauerbekundungen, die rund um dieses Spiel abgehalten werden.
An zwei Stellen rund um das Stadion legen Fans Kerzen, Schals und Blumen für ihren Präsidenten ab, alle offiziellen Fahnen wehen auf Halbmast. Vor dem Match versammelt sich die Kurve zu einem Trauermarsch und zieht gemeinsam und schweigend die letzten Kilometer zur Arena, die einst für die Olympischen Sommerspiele 1936 errichtet worden war. Dort wird über die Leinwände ein Gottesdienst übertragen, der für Bernstein in der Stadionkapelle abgehalten wird. Das gesamte Spiel wird dann zu einer einzigen großen Trauerbekundung.
Über weite Strecken stellt die Heimkurve ihren Support heute ein, einzig bei der Klubhymne „Nur nach Hause geh’n wir nicht“ erwacht kurz das gesamte Stadion zum gemeinsamen Singen. Danach schallt nur ab und an ein kraftvolles „HaHoHe Hertha BSC“ durch das weite Rund, der Rest besteht aus Trauerbotschaften via Spruchbändern, die über das Spiel verteilt gezeigt werden. Auch die Auswärtsfans beteiligen sich lange Zeit am stillen Gedenken, beginnen erst nach rund 10 Minuten mit ihren Gesängen. So entsteht eine sehr gediegene, aber auch gespenstische Stimmung über die gesamten 90 Minuten.
Auch wenn das Geschehen am Spielfeld heute wohl zweitrangig ist, so mag es nicht wirklich zu überzeugen. In einer auf beiden Seiten ziemlich zerfahrenen Partie fallen bereits in der ersten Hälfte drei der vier Tore. Düsseldorf gleicht mit einem Elfer kurz nach Wiederanpfiff aus und vergibt wenige Minuten später einen weiteren. Danach hat Hertha zwar noch einige Chancen, kann aber keine nutzen. Es bleibt beim verdienten Unentschieden.


































