Odense BK – FC Midtjylland 1:2

Nature Energy Park, 8.404 Zuschauer

Bevor der Fußball für eine Zeit ruht, ging es noch zum Montagsspiel der dänischen Superliga. Dafür wurde sowohl die Stadt als auch die Insel gewechselt. In Dänemark ist das allerdings keine große Sache und die Fahrt dauerte knapp mehr als eine Stunde.

Odense ist die drittgrößte Stadt des Landes und kulturelles sowie wirtschaftliches Zentrum der Insel Fünen. Der ursprüngliche Name wurde 988 erstmals in einem Dokument erwähnt und bedeutet „Heiligtum des Gottes Odin“. 1805 wurde der berühmteste Sohn der Stadt, der Schriftsteller Hans Christian Andersen, hier geboren. Ihn zog es relativ rasch ins bedeutend größere Kopenhagen.

Mich hingegen fesselt die Stadt bereits in den ersten Stunden, die ich hier verbringen darf. Über das extrem einladende Stadtzentrum geht es auf einem Spaziergang bis zum Park Munke Mose, der aus einem tiefgelegenem Moor und Wiesenlandschaften besteht. Retour geht es über eine umgebaute alte Textilfabrik, in der sich jetzt ein Künstlerviertel samt Museum befindet. Danach ist jedenfalls klar, dass ich es hier die nächsten vier Tage mehr als gut aushalten können werde.

Der erste Sportverein in Odense wurde 1887 gegründet, in den ersten zwei Jahren spielte man allerdings lediglich Cricket und hieß daher vorerst nur „Criketklub“. Als 1889 dann Fußball und Tennis hinzukamen, wurde die Bezeichnung auf Boldklub umgeändert. Auf die ersten Höhenflüge musste der Verein beinahe 100 Jahre warten, als 1977 unter Trainer Richard Møller Nielsen, der später Dänemark zum EM-Titel führte, die Meisterschaft erstmals gewonnen werden konnte. Dieses Kunststück gelang danach noch zwei Mal (1982 und 1989), den Cup konnte der Klub insgesamt fünf Mal in die Höhe stemmen. Immerhin spielt OB aber seit 1975 – ausgenommen lediglich eine Saison – durchgängig im dänischen Oberhaus. Die letzte Europacup-Teilnahme liegt allerdings bereits über zehn Jahre zurück.

Und auch heuer dürfte der Verein wohl eher nicht um die oberen Plätzen mitspielen können, da helfen auch die kämpferischen Trainingsleiberl mit Odins Gesicht nur wenig. Im Spiel nach vorne wirken die Gastgeber einfallslos und träge, zu viel hängt vom Zufall ab. Der Führungstreffer der Gäste wirkt zwar schwer irregulär (Foul am Torhüter), doch der VAR bestätigt das 0:1 zu meiner Überraschung und zum Entsetzen der heimischen Fans. Eine längere Prüfung muss dann auch der Ausgleich kurz vor der Pause überstehen – warum auch immer, und er wird schließlich auch gegeben. Die zweiten 45 Minuten sind dann wirklich mühsam, bis Midtjylland noch einmal einen Gang höher schaltet und fast im Minutentakt Chancen kreiert. Aus einer fällt dann auch der Siegestreffer.

Trotz eines Stadions, das eine dichte Atmosphäre unterstützen würde, mag auf den Rängen nicht so wirklich Stimmung aufzukommen. In besseren Spielphasen und auch bei größeren Chancen geht zwar ein Großteil der Anhänger mit und sorgt für einen guten Roar – ansonsten plätschert es aber eher dahin. Durchaus ansprechend allerdings die Unterstützung des Auswärtsteams, dessen Fans auch in nicht so kleiner Anzahl zu diesem Montagsspiel erschienen sind.

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