Venezia FC – Carrarese Calcio 2:1

Stadio Pier Luigi Penzo, ca. 10.000 Zuschauer

Den Zorn der alten Dame ziehen wir an diesem Tag erst sehr spät auf uns – nachdem bereits das gesamte Venedig, mitten in turbulenter Vor-Carnevals-Freude, durchquert und die spätjännerliche Nachmittagssonne in vollen Zügen genossen worden war.

Die Lagunenstadt Venedig war bis ins 16. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren und lange auch unter den größten europäischen Städten zu finden. Den ehemaligen Reichtum sieht man auch heute noch, nicht zuletzt rund um den zentralen Markusplatz. Gleichzeitig leidet die Stadt seit Längerem auch unter eklatantem Overtourism. Untertags ist dies heute zwar nicht besonders extrem zu merken, am Abend beim Rückweg vom Stadion allerdings sehr wohl und intensiv.

Der Venezia Football Club wurde 1907 in den Farben Schwarz-Grün gegründet, das ihn heute so prägende Orange war noch nicht anzutreffen. Dieses kam erst 1987 durch die Fusion mit AC Mestre, also dem Stadtklub vom Festland, in die Palette des Vereins. Auch sonst war der Wechsel ein ständiger Begleiter des Football Clubs. Umbenennungen, Fusionen, Konkurse, Neugründungen ziehen sich wie ein roter Faden (in Rot spielte man kurz um 1930 herum) durch die Geschichte. Einen völligen Neuanfang musste der Verein zuletzt 2015 hinlegen, bei dem man sich von der fünften Liga wieder hochkämpfte. Heuer spielt FC in Liga zwei um den Aufstieg mit.

Nun aber zum Zorn der alten Dame: Die doch eher als lasch zu bezeichnenden Sicherheitsvorkehrungen führen dazu, dass wir den Kanal vor dem Stadion vorbei an fröhlich tratschenden älteren Damen nach etwas Zögern doch über die Brücke zu überqueren beginnen. Die knallgelben Sicherheitswesten haben zwar immerhin dazu geführt, dass die Tickets griffbereit in unseren Händen sind. Aber nach mehreren Schritten schwindet der Verdacht, dass es sich hier tatsächlich um Einlasskontrollen gehandelt haben könnte.

Weit gefehlt: Schon fast am rettenden Ufer angelangt, entschließt sich die – nun sehr zornige – Dame doch noch, die nette Plauderei zu beenden und ihrer Arbeit nachzugehen. Wild gestikulierend macht sie uns verständlich, dass wir uns gefälligst wieder hinter eine (unsichtbare) Wartelinie begeben und Eintrittskarten und Ausweisdokumente vorweisen – jetzt aber pronto. Den Preis als gehorsamste Matchbesucher können wir uns für heute wohl eher abschminken.

Eine lange Zeit eher zache Partie mit mäßiger Stimmung ist dann im Stadion selbst zu erleben. Mehr glücklich als verdient gehen die Hausherren in Führung, von gepflegtem Fußball kann dabei aber nicht wirklich gesprochen werden. Erst nach dem 1:1 in Hälfte 2 nimmt das Spiel – und dann auch die Stimmung – wirklich Fahrt auf. Immer wieder schnürt FC die Gastmannschaft am eigenen 16er-Raum ein, mehrmals liegt die erneute Führung in der Luft. In Minute 82 ist es dann endlich auch soweit, der Jubel dann ist wirklich grenzenlos. Mit dem Sieg erklimmt Venezia zudem auch tatsächlich die Tabellenführung in Serie B.

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