Stadio Arena Garibaldi, 11.626 Zuschauer
Die wirklich großen Fragen wurden heute alle gestellt. Etwa, ob dieser Turm nur deswegen schief steht, weil der Baum vor dem Eingang als Maßstab genommen wurde. Gelöst wurde weder diese noch eine der unveröffentlichbaren Ratereien, dafür aber Teile unserer Brieftasche, als wir die Karten für dieses Serie-A-Spiel erworben haben. Fußball in Italien bedeutet neben Spaß und Fankultur eben immer auch ein bisschen Leid.
Die ca. 90.000 Einwohner:innen zählende Stadt war im Mittelalter neben Genua, Amalfi und Venedig eine der vier Seefahrerrepubliken Italiens. 1406 verlor sie zwar ihre Unabhängigkeit an Florenz, behielt aber mit dem Pisanischen eine eigene Stadtsprache – und das bis heute. Neben dem weltberühmten schiefen Turm verfügt Pisa auch über ein äußerst einladendes historisches Zentrum samt szenischen Ausblicken entlang des durch sie fließenden Arno.










Der Pisa Sporting Club besteht in der ein oder anderen Form seit 1909, trägt den berühmten Turm (mindestens seit 1980) im Wappen und weist äußerst bescheidene sportliche Erfolge auf. 1921 spielte man im Finale um die italienische Meisterschaft, 1986 und 1988 triumphierte der Klub im damals schon völlig bedeutungslosen Mitropa-Cup. Frisch aufgestiegen erlebt Pisa heuer die erst achte Saison, und noch dazu die erste seit 34 Jahren, in der höchsten italienischen Liga.
Relativ rasch wird klar, warum beide heute antretenden Mannschaften eher im unteren Tabellendrittel zu verordnen sind. Flüssiges Spiel ist – vor allem in der ersten Halbzeit – Mangelware, über die Nettospielzeit bei dieser Partie muss wohl eindeutig der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Dennoch kann ich die Aufregung meiner Platznachbarn über die lediglich zwei Minuten Nachspielzeit durchaus verstehen. Allein die VAR-Überprüfung des gegebenen und auch verwandelten Elfmeters für Parma hatte wohl schon in etwa diese Zeit verschlungen. Doch – bei allem Respekt, und wie dann auch Hälfte 2 noch zeigen sollte: Selbst 10 Minuten Plus hätten die Heimmannschaft meiner Meinung nach einem Tor nicht sonderlich wahrscheinlich nähergebracht.
Erfrischender als die Leistung am Rasen ist jedenfalls die Vorstellung auf den Rängen. Auch wenn ich wegen blendender Sonne lange Zeit nur die Heimkurve neben hören auch betrachten kann, so bietet diese doch durchgängig ganz gutes Spektakel. In dieser nun doch schon etwas in die Monate gekommenen Saison wird sie wohl einer der wenigen Gründe sein, im Stadio Garibaldi einen vergnüglichen Nachmittag verbringen zu können. Sportliche Höchstleistungen sind von diesem Team wohl eher nicht mehr zu erwarten – aber wer weiß das schon so genau.


























