Esbjerg fB – Randers FC 0:0 (4:2 n.E.)

Blue Water Arena, 3.078 Zuschauer

Im strömenden Regen von Esbjerg gegen einen Zweitligisten im Cup auszuscheiden, und dabei schon im Spiel selbst einen Elfmeter zu vergeben, war genau das, was ein gerechter Rachegott für den seelenlosen Kick vom Sonntag ersinnen hätte können. Und Randers zeigte sich willig und erfüllte den Plan des Herrn an der Nordseeküste vorzüglich.

Esbjerg wurde erst nach der dänischen Niederlage im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 gegründet, als dadurch alle Nordseehäfen des Landes verlorengegangen waren. 1869 wurde daher an der Stelle der heutigen Stadt die Gründung eines Hafens samt Eisenbahnanschlusses beschlossen, die Ansiedlung von Menschen war bei diesen Gedanken eher sekundär. Heute ist Esbjerg mit etwas über 70.000 Bewohner:innen allerdings fünftgrößte Stadt Dänemarks.

Vor allem in den ersten Jahrzehnten ist das Wachstum der Ansiedlung als explosionsartig zu bezeichnen, die Bevölkerungsanzahl vervierfachte sich quasi alle 10 Jahre ( von 1870 460 bis 1901 mit bereits 13.355). Das Stadtbild im Zentrum ist vom schachbrettartigen Straßennetz und Gebäuden im historistischen Stil geprägt, für das sich die ausführenden Architekten extra Anregungen in ganz Europa holten. Es ist jetzt nicht gerade DER ideale Ort für einen längeren Dänemark-Urlaub im Oktober, gerade aber mit Fußball-Möglichkeit ist es hier wirklich aushaltbar.

Esbjerg forende Boldklubber (Vereinte Ballklubs Esbjerg) ging bereits 1924 aus der Fusion der zwei damals existierenden Fußballvereinen der Stadt hervor. Ihre große Zeit erlebte die Vereinigung in den 1960er-Jahren, als von 1961 bis 1965 jährlich ein Titel gewonnen werden konnte. Die vier Meisterschaften wurden dabei nur 1964 von einem Cupsieg unterbrochen. Danach folgte ein sportlicher Abstieg, der 1972 bis in die dritte Liga führte. Unter großen finanziellen Anstrengungen raffte sich der Verein noch einmal auf, gewann 1976 den Pokal und 1979 zum bisher letzten Mal die Meisterschaft.

Die zweite sportliche Dürrephase endete 1990 in der Zahlungsunfähigkeit, die erst durch eine wirtschaftlich völlige Neuaufstellung Anfang der 2000er-Jahre überwunden werden konnte. Zu mehr als einem Cupsieg 2013 reichte es bisher aber nicht mehr. Einzig 2018 sorgte der Klub für Aufsehen, als Rafael van der Vaart vom FC Midtjylland zu ihm wechselte. Nach nur drei Spielen für die Blau-Weißen beendete der niederländische Internationale allerdings verletzungsbedingt seine Karriere an der dänischen Nordseeküste.

Während es in der zweiten Liga für Esbjerg fB momentan höchstens mittelmäßig läuft, zeigen sie in der heutigen Cup-Partie einen durchaus beherzten Kampf gegen einen an sich übermächtigen Gegner. Randers spielt ähnlich einfallslos wie am Sonntag, bekommt in der ersten Halbzeit allerdings einen Elfmeter zugesprochen. Unter lautstarkem Jubel der Einheimischen hält diesen der Esbjerg-Torhüter allerdings.

Und dieser sollte sich auch im Elfmeterschießen noch einmal auszeichnen, als er den ersten und vierten Schuss von Randers pariert. Mit dem danach versenkten fünften Versuch steigen die Blau-Weißen durchaus verdient ins Viertelfinale des dänischen Pokalbewerbs auf.

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