Aalborg BK – Lyngby BK 3:2

Portland Park, 4.711 Zuschauer

Einen „FIFA Manager Modus in real life“ wollten drei deutsche Vlogger mit dem Traditionsklub aus Aalborg spielen, als sie im Vorjahr ein Prozent der Klubanteile erworben hatten. Nach Fan- und Klubprotesten mussten sie sich allerdings nach nicht einmal zwei Wochen zurückziehen. Das größere Übel in Form eines großen Investors hat der Verein und seine Fans aber weiterhin an der Backe. Ein Sturm zieht auf im Norden Dänemarks.

Die viertgrößte dänische Stadt verfügt über eine über tausendjährige Geschichte. Durch seine strategische Lage am Limfjord, der durch gesamt Jütland verläuft und somit einen Durchgang von der Nordsee nach Schweden und Richtung Ostsee bietet, war sie schon früh ein wichtiges Handelszentrum. Seit 1516 hielt sie das Monopol am Verkauf von gesalzenen Heringen zugestanden, heute beheimatet Aalborg vor allem Schwerindustrie etwa im Bereich Chemie und Metall.

Eine kleine Besonderheit stellt das Doppel-A im Namen dar, das mit der Rechtschreibreform 1948 im Dänischen eigentlich abgeschafft und durch das Å ersetzt wurde. Behörden und Bevölkerung stemmten sich allerdings so vehement gegen die Umsetzung, dass die Stadt ihr Identifikationsmerkmal seit 1984 auch offiziell wieder verwenden darf. Mittlerweile verwenden es ja auch Städte wie Aarhus wieder.

AaB, der Aalborg Boldspilklub, wurde 1885 als Cricketverein von englischen Ingenieuren, die damals das Eisenbahnnetz in Jütland aufbauten, gegründet. Wenige Jahre später kam auch Fußball zum Angebot dazu. Seit 1920 trägt der Klub seine Matches am derzeitigen Standort aus. In der 140-jährigen Vereinsgeschichte stehen vier Meistertitel (zuletzt 2014) und drei Cupsiege (ebenfalls zuletzt 2014) zu Buche. Die letzten beiden Saisonen in der dänischen Superliga endeten jedoch immer jeweils mit dem Abstieg, wodurch AaB derzeit wieder mit der zweiten Liga vorlieb nehmen muss.

Derzeit beschäftigt die Fanszene – wie eingangs erwähnt – allerdings der Einstieg von Investoren wesentlich mehr. Die zum Größenwahn neigenden Vlogger hatten sich nämlich am Projekt der Sport Strategy Excellence 22 GmbH (kurz SSE22) des ehemaligen deutschen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger beteiligt, bei dem 2023 20 Prozent des Klubs und ein Jahr später sogar die Aktienmehrheit erworben wurde.

Während die videoverliebten Selbstdarsteller sehr rasch das Weite suchten, als ihnen alles andere als Gegenliebe entgegenschlug, ist SSE22 weiterhin an Bord und derzeit Grund für heftigste Fanproteste. Auch heute sind Fahnen, Schals und Spruchbänder mit „Raus SSE22“ überall im Hintertorbereich zu sehen. Vor einem Monat reiste die Fanszene sogar zur Firmenzentrale in Hamburg und brachte dort ihren Protest lautstark zum Ausdruck – unter anderem auch mit Tennisbällen, DEM Erkennungsmerkmal der Proteste gegen den Investoreneinstieg in der deutschen Bundesliga vor einigen Jahren.

Die sportlichen Leistungen stehen daher momentan etwas im Schatten dieser Verwerfungen, sind aber zumindest heute durchaus erfreulich. Aus dem Nichts gehen die Rot-Weißen durch einen Doppelschlag mit 2:0 in Führung, ruhen sich danach etwas zu viel auf diesem Polster aus. Erst der Anschlusstreffer in Hälfte zwei weckt die Gastgeber wieder auf und wird durch das 3:1 gekontert. Den erneuten Zwei-Tore-Vorsprung können die „Wikinger“ aus dem Vorort von Kopenhagen zwar noch einmal verkürzen, für einen Punkt in der Fremde reicht es heute allerdings nicht.

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