Stadio Citta del Tricolore, 18.771 Zuschauer
Wurde entgegen meiner langjährigen Praxis bereits am Wochenende wieder einmal ein Ländermatch im heimatlichen Ernst-Happel-Stadion live verfolgt, so sollten nun die Tage darauf noch zwei weitere folgen. Gleich das erste wird dabei zumindest von einem Hauch der Wehmut umweht: Sollte es doch der letzte Auftritt vom glücklosen italienischen Nationalcoach Luciano Spalletti werden. Und selbst dieser lief alles andere als grandios ab.
Reggio Emilia ist DIE Stadt der italienischen Nationalfahne. 1797 wurde die von Ingenieur Ludovico Bolognini entworfene grün-weiß-rote Flagge als Symbol für die lediglich bis 1805 bestehende Repubblica Cisalpina angenommen. Als diese dann ins neugeschaffene Königreich Italien eingegliedert wurde, wurden auch die Nationalfarben mitübernommen. Heute hat die zwischen Modena und Parma gelegene Stadt rund 200.000 Einwohner:innen. Das Zentrum ist – trotz heut extrem schwüler Hitze – wirklich sehenswert, vor allem auch aufgrund seiner zahlreichen schön angelegten Plätze.












Das hiesige Stadion ist im Ligabetrieb auch nach dem Sponsor Mapei benannt und Heimstätte sowohl für US Sassuolo wie auch AC Reggiana. Es liegt doch ein beträchtliches Stück außerhalb des Zentrums. Öffentlich angebunden ist es de facto gar nicht. 40 Minuten Fußmarsch sind also für mich die Alternative zu einem Taxi.
Im Spiel spiegelt sich sehr viel von der nun zu Ende gehenden Beschäftigung von Coach Spalletti, aber auch der Beziehung von den Italiener:innen zum Fußball. Trotz zuletzt wirklich würdeloser Leistungen (0:3 in Norwegen) wird das Nationalteam frenetisch empfangen, nur für den Trainer hagelt es ein Pfeifkonzert. Und selbst das geht dann am Schluss sogar in einen verhaltenen Applaus über. Standing Ovations schauen aber eindeutig anders aus.
Und auch auf dem Rasen mag es heute wieder nicht so richtig klappen: Zwar klingt das mit dem doch relativ deutlichen Endstand etwas blöd, aber Moldawien war – zumindest in der ersten Halbzeit – die bessere Mannschaft. Im Gegensatz zu den elf Einzelkämpfern in Blau agiert es nämlich auch wie ein Team und scheint einen guten Plan zu verfolgen. In der neunten Minute gelingt dem absoluten Underdog sogar der vermeintliche Führungstreffer. Nach VAR-Entscheid wird er aber aberkannt.
Kurz darauf machen sich zur völligen Verblüffung der heimischen Fans selbst auf der Haupttribüne die moldawischen Anhänger:innen lautstark bemerkbar und feuern ihr Team an. Dadurch herausgefordert, schwanken die Azzuri auf den Rängen zwischen Entzückung und Verzweiflung, weil ihr Team nicht und nicht das Abwehrbollwerk Moldawiens knacken kann. Der Übergang von blinder Anfeuerung zu wüster Beschimpfung ist jedenfalls ein fließender.
Dafür ist dann der erlösende Jubel über das 1:0 kurz vor der Pause auch wirklich beeindruckend laut. Knapp nach Wiederanpfiff schenkt das Nationalteam seinen Fans sogar gleich den nächsten Glücksmoment, nur um dann wieder in ein sehr, sehr einschläferndes und verwaltendes Spiel zu verfallen. Moldawien gibt selbst zu diesem Zeitpunkt nicht auf und kommt weiterhin zu halbwegs guten Chancen. Den Abschiedssieg für Monsignore Spalletti lassen sich die Italiener dann aber nicht mehr nehmen. Ein riesen Missverständnis geht somit wenigstens halbwegs versöhnlich zu Ende.






















