VfB Lübeck – Blau-Weiß Lohne 2:1

Stadion an der Lohmühle, 3.777 Zuschauer

„Ich find das Marzipan das Beste an der Stadt“, schickt mir meine Schwester aus ihren Erinnerungen an den Besuch in Lübeck im vorigen Jahr noch kurz hinterher. Und: Sie hat leider recht. So richtig warm werde ich mit der zweitgrößten Stadt Schleswig-Holsteins bei meinem Aufenthalt wirklich nicht. Es ist fast so wie mit dem hier wichtigsten Exportgut: Zu viel Zucker tut dann auch nicht gut.

Lübeck wurde 1143 an der heutigen Stelle gegründet und galt ab dem 13. Jahrhundert als unumstrittener Hauptort der mächtigen Kaufmannsvereinigung Hanse. Ihren Ruf als DIE „Marzipanstadt“ erarbeitete sie sich ab 1800, obwohl nachweislich bereits seit 1530 die geriebenen Mandeln hier verarbeitet wurden. Noch heute zeugen viele Gebäude von der einst ruhmreichen Vergangenheit, wie etwa das Holstentor oder das Rathaus.

Zunehmend bekomme ich aber auch ein Gefühl dafür, warum auch auf mich der Funke nicht und nicht überspringen will: Nur sieben Prozent der aktuell rund 220.000 Einwohner:innen leben in der Altstadt Lübecks. Dadurch fühlt sie sich beinahe wie ein Freiluftmuseum ausschließlich für den Tourismus an. Der durchaus starke Verkehr in den engen Gassen tut zudem auch noch sein übriges dazu, dass sich irgendwie kein Wohlfühlfaktor bei mir entfalten kann. Für eine Kleinstadt ist einfach sehr, sehr viel Hektik hier.

Der VfB Lübeck geht auf mehrere Vereine zurück, vor allem aber auf den BSV, den Ballsportverein Vorwärts Lübeck, der 1919 als Teil der Arbeitersportbewegung gegründet wurde. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er daher verboten und musste nach dem Zweiten Weltkrieg als „Verein für Bewegungsspiele“ wieder neu formiert werden.

Trotz einer tiefen lokalen Verankerung und durchwegs gutem Besuch konnte sich der Verein in seiner Geschichte sportlich nie sonderlich profilieren: 1995 bzw. 2002 spielte der VfB zuletzt jeweils zwei Saisonen in der zweiten Bundesliga, bevor es wieder eine Klasse runter ging. Auch 2008 gelang die sofortige Qualifikation für die neuformierte Dritte Liga nicht auf Anhieb.

Erst die COVID-Pandemie und der damit einhergehende Saisonabbruch bescherte dem Verein 2020 doch noch den erstmaligen Aufstieg. Seitdem hat man sich zwei Mal je eine Saison im Profitum halten können, derzeit ist die viertklassige Regionalliga Nord wieder Alltag an der Lohmühle. Erst im November 2024 konnte durch die Spendensammlung von einer Million Euro binnen 48 Stunden eine erneute Insolvenz abgewendet werden.

Obwohl es auch in dieser Saison für niemanden mehr um etwas geht, füllt sich das Stadion doch ganz ordentlich. Die Stimmung ist durchwegs gut, was durch die Leistung am Rasen sogar noch verstärkt wird, bzw. zumindest dem positiven Spielverlauf für die Gastgeber. Der VfB geht bis zum Pausenpfiff mit 2:0 in Führung, sieht bis zur 82. Minute als sicherer Sieger aus. Als dann doch ein Ball von Blau-Weiß hinter der Linie landet, wird es noch einmal unverhofft spannend. Mit mehr Glück als Verstand retten die Grün-Weißen den Vorsprung über den Schlusspfiff.

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