Adolf-Jäger-Kampfbahn, keine Zuschauer
Wie war das schnell noch mal mit der Scheiße und dem Schuh? Bei mir gehen die beiden heuer bisher jedenfalls eine ziemlich zuverlässige Verbindung ein. Nachdem ich am Freitag noch zu meinem Spiel gekommen bin, wird am frühen Samstagnachmittag das eigentliche Highlight dieser Reise abgesagt… No fun in Altona 😦
Bis 1938 war der heutige Stadtbezirk Hamburgs eine eigenständige Stadt. Sie zeichnete vor allem die extrem hohe religiöse Toleranz aus, wodurch sie zu einem Anziehungspunkt für Verfolgte aus allen Ländern wurde. Ab 1640 (bis 1864) stand Altona zudem unter dänischer Verwaltung und galt lange als zweitgrößte Stadt neben Kopenhagen.
Für die deutsche Entwicklung war vor allem der 17. Juli 1932 bedeutend, der als „Altonaer Blutsonntag“ in die Geschichte eingehen sollte. Als bewusste Provokation marschierten damals 7.000 SA-Leute durch die engen Straßen der auch als „Klein-Moskau“ bezeichneten Stadt. Die folgenden Auseinandersetzungen, bei denen 18 Menschen starben, wurden genutzt um mit dem sogenannten „Preußenschlag“ die demokratische Verfassung des damaligen Freistaates außer Kraft zu setzen. Erst 1992 wurden die Geschehnisse von einem ordentlichen Gericht aufgearbeitet.
Seit den 1980er-Jahren hat die Gentrifizierung in den Bezirk Einzug gehalten, die alternativen Lebensmodelle der hier lebenden Menschen sieht man aber dennoch weiterhin vielen Straßenzügen an.













Die Adolf-Jäger-Kampfbahn steht deswegen ganz oben auf meiner „To do“-Liste, weil sie keine lange Zukunft mehr haben wird. Spätestens 2026 soll das Stadion geräumt werden und lukrativeren Wohnungen Platz machen. Deshalb machte ich mich trotz der bereits bekannten Absage auf den Weg in die Griegstraße, um mich davon zu überzeugen, dass zumindest die einsehbaren Teile heute in einem ziemlich durchweichten Zustand sind. Der Klub bezeichnet den Platz selbst als momentane „Wellness-Oase für Vögel“. Dem kann durchaus so sein.
Am Stadionzaun waren auch Botschaften für eine Anrainer-Familie angebracht, die vor Kurzem Opfer eines rassistischen Übergriffs wurde und für die der Verein und dessen Fans Solidarität und Spenden organisiert.









