Stadion Hoheluft, 117 Zuschauer
Der zweite Anlauf für neue Grounds in diesem Jahr führt noch weiter in den Norden, aber wieder nach Deutschland. Mit dem neuen Nightjet – da auch gleich der neuen, durchaus zu empfehlenden Kategorie Minicabin – wird Hamburg angesteuert und über das ganze Wochenende verteilt die fünftklassige Oberliga ins Visier genommen.
Einladend ist das Wetter nun wirklich nicht. Der Nieselregen von der Früh hält den ganzen Tag über an. Daher wird heute vor allem das sowieso eingeplante Altonaer Museum besichtigt, in dem erst am Dienstag eine Ausstellung über die 70 Jahre alt gewordenen Pixi-Bücher eröffnet wurde. Diese ist klein aber fein (inklusive Pixi-Bad, allerdings doch eher für Kleinkinder) und offenbart unter anderem, wie viele Titel zum Thema Fußball in dieser Reihe bereits veröffentlicht wurden.
Danach geht es noch kurz ins Viertel von Victoria, um vor allem das Stadion auch einmal untertags zu sehen. Sonderlich schön ist es entlang der Hoheluftchaussee jedenfalls nicht, da mag der Name noch so viel versprechen. Lediglich der immer an Dienstagen und Freitagen stattfindende Isemarkt unter den Gleisen der Hamburger Hochbahn entschädigt für den Abstecher vor dem Check-In.












Die Heimstätte der Victoria (auch kurz „Vicky“ genannt) ist eine mit großer Tradition und Geschichte. Das Stadion Hoheluft besteht seit 1907, zwischen 1911 und 1940 wurden hier fünf Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft ausgetragen. Der Zuschauerrekord datiert aus dem Jahr 1948, als vor 37.000 Menschen der Hamburger SV den FC St. Pauli mit 6:1 im Endspiel der Meisterschaft der britischen Besatzungszone schlug. Noch mehr Menschen fanden sich allerdings auf dem Platz 1932 ein, als der Verein ihn für einen Abend an die NSDAP vermietete und Adolf Hitler vor 50.000 Zuhörern eine Rede hielt. Prunkstück der Anlage ist eine der letzten holzüberdachten Tribünen Deutschlands, die 1921 nach einem Vollbrand mit einem Betonsockel wiedererrichtet und zuletzt 1985 renoviert wurde.
SC Victoria wurde 1895 gegründet und zählte am 28. Jänner 1900 zu jenen 86 Vereinen, die den DFB ins Leben riefen. Erfolgreiche Zeiten erlebte der Verein allerdings vor allem vor dem Zweiten Weltkrieg, seit der Saison 1953/54 ist kein erstklassiger Fußball mehr im Stadtteil Eppendorf zu sehen. Das spiegelt sich auch im Zuschauerinteresse wieder. An diesem nasskalten Februartag verlieren sich nur knapp über 100 Menschen im an sich 8.000 Zuschauer fassenden Stadion. Rund 40 davon verlassen die „Victoria-Klause“, ein gemütlich warmes Vereinslokal im Inneren der Tribüne, die gesamten 90 Minuten nicht.
Der Rest bekommt ein durchaus munteres Fußballspiel zu sehen, in dem Victoria vorerst eher unverdient in Führung geht. Mit einem spektakulären Treffer – der blau-gelbe Torhüter erhält ein Gurkerl – können die Gäste aus Holstein allerdings relativ rasch ausgleichen. Hier zeigt sich auch, dass ein nicht unerheblicher Teil der Fans auf Seiten von Tornesch steht. In der zweiten Hälfte kommt Vicky zu mehreren Chancen, der erlösende Führungstreffer fällt aber erst kurz vor Schluss. Von einem Teil der Auswärtsanhänger wird der Torschütze mit Affenlauten bedacht – ein Verhalten, das ich in Deutschland schon länger nicht mehr beobachten musste. Spätestens damit hat Tornesch alle meine (sowieso nicht vorhandenen) Sympathien verspielt.












