Ernst-Lehner-Stadion, ca. 100 Zuschauer
Vor weitreichende Entscheidungen wurde ich am Samstag gestellt: Entweder für immer einer Religion unterwerfen, dafür eine garantierte Anstellung auf Lebenszeit – oder doch das ewig gleiche Fegefeuer mit seinen Irrungen und Wirrungen, gnadenlos in Dosen zu je 90 Minuten. Schwach, wie ich bin, gewann der Tempel des dumpfen Genusses freilich die Oberhand, und das Spiel nahm seinen Lauf…
Hätte ich die Hände gefaltet, dann wäre mir in zwei Jahren noch eine weitere Option in Augsburg offengestanden, nämlich um eine Wohnung in der Fuggerei anzusuchen. 1521 legte Jakob Fugger, genannt „der Reiche“, mit einer Stiftung den Grundstein für eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt, die auch heute noch besteht. Bedürftige, katholische Augsburger:innen können hier für eine Jahresmiete von 88 Cent (plus täglich drei Gebete für die Stifterfamilie) einziehen. In den 140 Wohnungen der 67 Häuser wohnen derzeit 150 Menschen, ein Teil wurde auch zu einem begehbaren Museum umgestaltet, das etwa eine historische Wohnung zeigt, aber auch den Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.









TSV Schwaben Augsburg geht auf den Turnverein Augsburg von 1847 zurück. Bereits kurz nach der Gründung drohte ihm wegen der bürgerlichen Revolution die Auflösung durch die Vertreter des Königreichs Bayern, denn sich versammelnde Menschen waren damals mehr als verdächtig. 60 Jahre nach der Gründung (1907) wurde die Fußballabteilung aus der Taufe gehoben, traditionelle Farben sind lila-weiß.
1969 fusionierte die Lizenzspielerabteilung mit dem Lokalrivalen BC Augsburg, um in Zukunft die fußballerischen Kräfte in Augsburg zu bündeln. Mit den Worten „Es lebe der FCA!“ war damit also ein neuer Klub geboren, der sich aber weiterhin auf das Gründungsdatum seiner beiden Stammvereine beruft. TSV Schwaben behielt gleichzeitig eine Amateurmannschaft bei, verpflichtete sich allerdings, in Zukunft keinen Aufstieg in den Profisport anzustreben. 1981 gelang mit der Qualifikation für die Bayernliga erstmals der Sprung in die höchste Amateurklasse, in der man sich aber nicht dauerhaft festsetzen konnte. 2007/08 stürzte man gar bis in die achte Liga ab, aus der man sich langsam wieder in die derzeit fünftklassige Bayernliga Süd hocharbeitete.
Mehr als mühsam verläuft auch das heutige Spiel, in dem sich zwingende Situationen lange Zeit in Grenzen halten. Erst in der zweiten Halbzeit gewinnen die Gastgeber etwas Oberwasser, angefeuert von der Ein-Frau-Ultraszene, die aber zusätzlich mit zwei Kuhglocken ausgerüstet ist. Mit „Schwaben vor! Führungstor!“ ist bereits das gesamte Liedgut umrissen, das aber in regelmäßigen Abständen beharrlich vorgetragen wird. Offenbar trägt dies auch tatsächlich Früchte, denn den Violetten gelingt kurz vor Schluss tatsächlich der Siegestreffer.















